Gerichtsverhandlung 

von Otto Waalkes

(Kurzfassung)

Richter:

Hohes Gewicht, liebe Geschwollenen, Angenagter!
Ihnen wird zur Last gelegt,
sie hätten an dem Mast gesägt.

Angeklagter:
Ich hab nicht an dem Mast gesägt,
ich hab nur mit dem Ast gefegt.
da hab ich mich mit Hast bewegt,
und das hat wohl den Gast erregt,
und der hat dann den Mast zerlegt.

Richter:
Sie haben aber bei der polizeilichen Vernehmung ganz andere Angaben gemacht.
Ich zitiere wörtlich:

Ich habe diesen Gast zersägt,
weil er sich auf den Quast gelegt.
Doch wer gefälschten Zaster prägt
und Schuh´ aus Alabaster trägt,
verdient, dass ihn der Mast erschlägt.
Das haben sie doch gesagt.
Herr Zeuge, können sie das bestätigen?

Zeuge:
Nein, das war ganz anders:
Ich hatte mich zur Rast gelegt
und mich mit einem Quast gepflegt.
Denn wer schon einmal Bast zersägt,
der weiß, dass das keine Hast verträgt.

Richter:
Aber das tut doch gar nichts zur Sache!

Zeuge:
Doch.
Da hat sich´ s im Morast geregt,
und das hat wohl den Ast bewegt.
Und wie der Mast aufs Pflaster schlägt,
da hat er wohl den Gast erlegt.

Richter:
Jetzt reicht’s aber!

Im Namen des Volkes:
Wenn einer einen Hast zersägt,
weil ihn ein Gymnasiast erregt,
der vor seinem Palast gefegt,
dann wird die Tat mit Knast belegt.
Wenn er als Kontrast erwägt,
dass er sein Geld zum Paster trägt,
der auch den Wunsch nach Zaster hegt
wird ihm das nicht mit Knast belegt.
Stattdessen wird der Mast zersägt
und auf das Grab vom Gast gelegt.

Wem dieser Spruch nicht passt, der trägt
die Kosten des Verfahrens. Gezeichnet: Richter Ahrens.

Das hohe Gericht zieht sich zum Besäufnis zurück.
Das Urteil lautet: Freibier!!!


Hier gibt es noch die Langfassung und hier geht's zurück zur Startseite

Alle Seiten von Max Layer aus Gauting, Stand 17.01.2005